Ausgabe 04 · Juni 2026 Mahlstrich ·
Mahlstrich Magazin für Kaffee-Handwerk und Brüh-Präzision — Bd. iv —
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MUEHLE

Drei Hand-Mühlen am Filter-Profil — 1Zpresso K-Plus, Comandante MK4, Timemore Chestnut C2

Drei Hand-Mühlen in der Preis-Klasse 100–280 Euro am gleichen Filter-Profil — Mahlgrad-Konsistenz, Mahlzeit, Cleanup.

Hand-Mühlen sind in der Specialty-Welt die Eintrittsschwelle für ernsthaftes Brühen. Drei Modelle decken den Markt zwischen Einsteiger und gehobenem Heim-Setup ab: die Timemore Chestnut C2 (90 Euro), die 1Zpresso K-Plus (270 Euro) und die Comandante MK4 (280 Euro). Alle drei am gleichen Filter-Profil getestet — gleiche Bohne, gleiche Dosis, gleiches Wasser, gleicher Brüher.

Das Setup

Bohne: kolumbianischer Caturra, washed, helle Röstung, drei Wochen nach Röstdatum. Brüher: Hario V60-02 mit Cafec-Filter. Dosis: 15 Gramm. Wasser: BWT-Bestmax-Premium-Filter, 250 Gramm bei 94 Grad. Verhältnis: 1:16,7. Pour-Pattern: Bloom 40 Gramm für 30 Sekunden, drei Pulses zu 70 Gramm, Total Time anvisiert 3:00.

Die Mahlgrade kalibriert auf eine vergleichbare mittlere Partikelgröße (geschätzt 750 bis 800 Mikrometer, kontrolliert per Kruve-Sieb 800/600): 1Zpresso K-Plus 90 Clicks (von 9 vollen Umdrehungen mit jeweils 60 Clicks), Comandante MK4 24 Clicks, Timemore C2 22 Clicks.

1Zpresso K-Plus

Mahlwerk: 48 Millimeter, hexagonale SSP-Style-Burrs, Vollstahl. Verstellmechanismus: Außenring, magnetisch gerastert, 60 Clicks pro Umdrehung — die feinste Verstellung im Test.

Mahlzeit für 15 Gramm: 28 Sekunden. Kraftaufwand: niedrig, das Mahlwerk zieht selbstständig. Die Bohnen fallen klick-präzise in den Auffangbecher mit Magnet-Verschluss.

Partikelverteilung (visuell unter 10-fach-Lupe, Kruve-Sieb-Test): enger Peak im Zielbereich, sehr wenige Feinanteile, kaum Boulders. Das Bett im V60 läuft gleichmäßig, Total Time 2:58.

In der Tasse: klar, präzise, transparenter Auszug. Die für den Caturra typische rote Apfel-Note ist scharf umrissen, die Karamell-Süße im Abgang lang. TDS 1,43 Prozent, Extraktions-Yield 21,4 Prozent. Sweet Spot mit der ersten Brühung.

Comandante MK4

Mahlwerk: konische Burrs, Nitro-Stahl, der Klassiker seit zehn Jahren. Verstellung: einstellbarer Ring an der Achse, klick-gerastert, etwa 30 Clicks pro Umdrehung.

Mahlzeit für 15 Gramm: 41 Sekunden. Kraftaufwand: mittel, gegen Ende spürbarer Widerstand. Das Holz-Griff-Gefühl ist konsistent über die ganze Mahlung.

Partikelverteilung: mittlerer Peak im Zielbereich, moderate Feinanteile, vereinzelte Boulders. Das Bett im V60 läuft kontrolliert, Total Time 3:04.

In der Tasse: rund, balanciert, etwas weicher in den Konturen als die K-Plus. Roter Apfel weniger scharf umrissen, dafür eine breitere Schoko-Karamell-Mitte, ein etwas vollerer Body. TDS 1,41 Prozent, Extraktions-Yield 21,2 Prozent.

Timemore Chestnut C2

Mahlwerk: 38 Millimeter, konische Burrs, Stahl. Verstellung: zentrale Schraube unter dem Auffangbecher, geräuscharm gerastert, etwa 35 Clicks pro Umdrehung.

Mahlzeit für 15 Gramm: 34 Sekunden. Kraftaufwand: niedrig bis mittel. Die kompaktere Bauform (kürzerer Hebel) lässt die Hand schneller ermüden als bei den anderen beiden.

Partikelverteilung: breiterer Peak, deutlich mehr Feinanteile, vereinzelt Boulders. Das Bett im V60 läuft anfangs gleichmäßig, ab dem zweiten Pulse merkt man eine leichte Verzögerung — die Feinanteile dichten das Bett ab. Total Time 3:18.

In der Tasse: solider, etwas dichterer Auszug. Die Säure ist leicht zugunsten von Bitterkeit verschoben, der Abgang trockener. TDS 1,48 Prozent, Extraktions-Yield 22,3 Prozent. Eine leichte Overextraction, die mit zwei Clicks gröber (auf 24) ausgleichbar wäre.

Cleanup und Alltag

Die K-Plus hat einen magnetischen Auffangbecher, der die Statik bändigt — ein kurzer Pinselstrich genügt. Die Burrs sind in 30 Sekunden zerlegbar, Bohnen-Splitter im Gehäuse werden mit dem mitgelieferten Blasebalg evakuiert. Cleanup-Note: sehr gut.

Die MK4 wird mit einem dünnen Pinsel ausgeliefert, der Auffangbecher ist Glas — kein Magnet, dafür angenehmes Schraubgewinde. Das Burr-Setup ist über zwei Schrauben zerlegbar, mit etwas Routine eine Sache von zwei Minuten. Cleanup-Note: gut.

Die C2 hat eine statisch-affine Kunststoff-Kammer, in der nach jeder Mahlung sichtbare Mengen Kaffee kleben. Tippt man von außen an, lösen sich Klumpen unkontrolliert. Burr-Zerlegung ist möglich, aber für Anfänger:innen anspruchsvoller, weil die zentrale Schraube empfindlich auf Verstellung reagiert. Cleanup-Note: durchschnittlich.

Empfehlung-Cluster

Wer ausschließlich Filter brüht und Präzision sucht, ist mit der K-Plus am besten bedient — der enge Peak ist im Brüh-Ergebnis hörbar. Wer Filter und Espresso parallel brüht, ist mit der MK4 besser bedient, weil ihr Verstellbereich für Espresso (etwa 6 bis 10 Clicks) feiner und stabiler ist als der der K-Plus, die hier eine Spezial-Version mit dem Tag „Pro” bräuchte.

Wer einsteigt und in der 100-Euro-Klasse bleiben möchte, bekommt mit der C2 eine ehrliche Mühle, die das Brühen lehrt, ohne den Geldbeutel zu sprengen. Die Feinanteil-Problematik ist real, aber durch zwei Clicks gröberen Mahlgrad weitgehend kompensierbar — und nach einem Jahr Brüh-Praxis weiß man besser, ob das Upgrade in Richtung K-Plus oder MK4 geht.

Test-Sieger-Rhetorik passt hier nicht. Die drei Mühlen bedienen drei verschiedene Brüh-Profile, und jede hat ihr Publikum.


Ressort: Mühle